Ein natürlicher Bodenbelag? Einer, der zu mehr als 90 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen besteht? Nein, die Rede ist nicht vom Holz-, sondern vom Linoleum-Boden. Ein Boden, mit dem ein Kunde aus Gotha ganz bewusst eine neue Optik in sein Wohn- und Kinderzimmer bringen wollte.Können wir verstehen! Denn Linoleum wird schon seit Ende des 19. Jahrhunderts nach gleicher Rezeptur hergestellt: aus Naturprodukten wie Leinöl, Korkmehl, Kalksteinpulver, verklebt mit Baumharz und einem Boden-Rücken aus Jute.

Hält was aus und sieht gut aus: Linoleum-Bodenbelag 

Ein Linoleum-Boden entspricht aber nicht nur in puncto Nachhaltigkeit und Natürlichkeit dem Trend der Zeit. Linoleum hält selbst bei starker Beanspruchung echt was aus und kann mit etwas kreativem Input optisch tolle Akzente setzen. Im Fall des TTM-Kunden ist es der Kontrast von hellem und dunklem Linoleum im Randbereich und um die markanten Holzbalken im Raum, der dem neuen Bodenbelag eine besondere Note verleiht.

Muster Linoleum Boden gesamt

Ein sehenswertes Ergebnis, in dem aber vier volle Tage Vorarbeit stecken, plus Trocknungstag. Wie viele Arbeitsschritte ein perfekter Linoleum-Boden erfordert? Viele – aber sie lohnen sich angesichts des Endresultats!

In 5 Tagen zum neuen Linoleum-Boden

Tag 1: Der Dielenboden ist mit alten Spanplatten aus DDR-Zeiten verschraubt, die überschliffen und partiell nachgeschraubt werden. Es folgt die Einbringung von Randdämmstreifen zwischen Fußboden und Wand gegen einen späteren Spannungsaufbau im Boden und als Schallbrücke. Über die gesamte Bodenfläche, hier rund 30 qm, werden nun Entkopplungsplatten gelegt, die Rissen aufgrund des alten Unterbodens vorbeugen. Die Platten werden mit Parkettkleber verklebt und mit einer 50 kg schweren Andrückwalze angewalzt.

Untergrund für neuen Boden

Tag 2: Nach ausreichend Trocknungszeit des Klebers wird über den Entkopplungsplatten die Ausgleichsmasse für eine ebene Bodenfläche aufgebracht. Ein entscheidender Arbeitsschritt, weil ein Linoleum keine Unebenheiten verzeiht: Risse oder Beulen wären auf dem fertigen Boden sichtbar.

Ausgleichsmasse und Trocknung Boden

Tag 3: Für das Bodenleger-Team ein Ruhetag, denn der Boden-Ausgleich muss gut trocknen.

Tag 4: Jetzt geht es an die eigentliche Verlegearbeit. Gestartet wird mit dem bündigen Abschnitt der Randdämmstreifen und dem Abschleifen ihrer Ränder. Auch die getrocknete Ausgleichsmasse wird abgeschliffen und abgesaugt.
Nach der Markierung der Fries-Randstreifen, hier bei einer Breite von 15 cm, erfolgt der Zuschnitt der Linoleumbahnen. Wichtig dabei: Die Kanten auf beiden Seiten abschneiden, damit in der Folge keine Stippnähte am Rand aufstehen.

Bahnen verlegen Linoleum
Die Bahnen werden mit je 2 cm Überlappung ausgehend vom Fries angelegt und im Anschluss Bahn für Bahn zur Hälfte zurückgeklappt, um den Linoleumkleber auf den Boden aufzutragen. Der Kleber darf keinesfalls eintrocknen, um eine gute Verbindung zur Jute-Rückseite zu gewährleisten, die Bahnen müssen also unmittelbar in ihre Position geschoben, kopfseitig angewalkt, sprich gegengebogen, und anschließend überwalzt werden. Mit einem am Stoß angesetzten Nahtschneider folgt das Abschneiden der Überlappung, an der Naht werden die Bahnen per Handwalze nochmals fest angedrückt. So geht es Bahn für Bahn… bis über die Gesamtfläche schließlich nochmals komplett in Längsrichtung gewalzt wird.

Für den Fries wird der dunklere Linoleum-Belag ebenfalls zugeschnitten, stückweise auf den mit Kleber versehenen Boden gelegt und – hier mit einem schmalen Korkbrett – per Hand angedrückt. Mittels Nahtschneider erfolgt das Anreißen der Nähte und der Abschnitt der Überlappung, mit der Handandrückwalze wird jede Nahtstelle festgedrückt.

Fries Linoleum Korkbrett

Tag 5: Ist der Kleber am nächsten Tag gut getrocknet, rücken die Nähte in den Fokus: Sie werden passgenau für den Schmelzdraht ausgefräst, mit dem Naht für Naht verschweißt wird. Ein kritischer Punkt, denn Fehler bei der Schweißarbeit können die Vorarbeit komplett zunichtemachen. Die geschweißten Nähte werden in zwei Gängen mit einem Mozart-Präzisionsmesser abgestoßen, um durchgehende Bündigkeit mit der Bodenfläche zu erreichen.
Der letzte Feinschliff erfolgt mit der Anbringung der Einschubleisten im Wandbereich, die mit einem Montagekleber befestigt werden, und dem Verfugen der Türzargen.

Randleiste Linoleum

Ja, gut Ding braucht Weile, ein Linoleum-Boden ebenso. Das Ergebnis aber ist es wert!

Und natürlich helfen unsere Bodenleger gerne beim professionellen Verlegen.

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Geschrieben von Silvio Ullrich

Silvio Ullrich ist ausgebildeter Bodenleger, Parkettlegemeister sowie Monteur für Sonnenschutzartikel. Seit 2005 arbeitet er bei TTM, mittlerweile in der Position Leiter Qualitätssicherung Handwerk bei TTM. In seiner Freizeit geht Ulrich gerne angeln.

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